Jeder Mensch hat Blähungen. „Bis 15 Mal am Tag sind noch ganz normal“, sagt Dr. Andreas Leodolter, Gastroenterologe am Sana-Klinikum Remscheid. Peinlich kann es trotzdem werden, wenn die Winde nicht lautlos entweichen oder gar unangenehm riechen. Gehen die Gase jedoch nicht ab, bläht sich der Bauch auf. Leider hilft es dann weder, die Luft anzuhalten, noch den Bauch einzuziehen.
Blähungen entstehen, wenn bei der Verdauung Gase freigesetzt werden. Bakterien, die sich im Dickdarm befinden, bilden diese Gase, wenn sie Nahrungsbestandteile verstoffwechseln. Die entweichende Luft besteht normalerweise aus Wasserstoff, Kohlendioxid und Methan – alles geruchlose Gase. Aus manchen Speisen, zum Beispiel Zwiebeln oder Lauch, setzen die Dickdarm-Bakterien aber auch Schwefelverbindungen frei. Und Schwefel riecht bekanntlich nicht wie ein edles Parfüm.
Überhaupt gibt es Lebensmittel, die Blähungen geradezu herbeibeschwören. Kohlgemüse, Bohnen, Lauch und Vollkornbrot, aber auch Sprudelwasser, Bier und Kaffee zählen zu den Bläh-Klassikern. Ernährt sich Frau oder Mann also besonders gesund – zum Beispiel morgens Müsli, mittags Salat und abends Vollkornbrot mit Kichererbsenaufstrich – leidet Sie oder Er häufig an Blähungen. „Ballaststoffreiche Lebensmittel sind sehr gesund, führen aber zur vermehrten Gasbildung“, erklärt Leodolter.
Daneben können Unverträglichkeiten gegen Milchzucker (Laktose-Intoleranz), Gluten (Zöliakie) oder Fruchtzucker (Fruktose-Intoleranz) Blähungen auslösen. „Selten steckt auch eine ernste Krankheit dahinter, zum Beispiel eine chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung“, sagt Leodolter. Siedeln sich Bakterien im Dünndarm an, wo sie eigentlich nicht hingehören, kann das auch zuviel Luft verursachen. Häufiger ist aber ein sogenannter Reizdarm an Blähbauch und Gasbildung schuld.
Wer seiner Meinung nach zu oft Blähungen hat, sollte dies beim Arzt abklären lassen. Der kann eine Unverträglichkeit oder andere organische Ursachen ausmachen. Ansonsten gilt: Besonders blähungsfördernde Lebensmittel lieber sparsam verwenden. Jeder muss dabei für sich austesten, welche Speisen er am wenigsten verträgt. „Dabei hilft ein Nahrungsmitteltagebuch“, empfiehlt der Remscheider Gastroenterologe.
Gewürze wie Fenchel, Kümmel oder Koriander beugen ebenfalls Winden vor. Und: Wer langsam isst und gründlich kaut, erleichtert seinem Darm damit die Arbeit. So fallen weniger Nahrungsbestandteile im Dickdarm an und es treten seltener Blähungen auf.
Kommen die Blähungen ungelegen – etwa vor einem Opernbesuch – oder belasten sie, hilft ein Fenchel-Anis-Kümmel-Tee. Alternativ kommen Tabletten oder Tropfen mit entschäumenden Substanzen wie Dimeticon infrage.
Dr. Martina Melzer / www.apotheken-umschau.de;
19.11.2009, aktualisiert am 05.04.2012
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