entzündliche Erkrankung des peripheren Nervensystems, die in ihrer klassischen Form mit symmetrischen, von den Beinen aufsteigenden und rückbildungsfähigen Lähmungen einhergeht.
Ursache: Der Entstehungsmechanismus ist noch nicht geklärt; es besteht eine Entzündung der peripheren Nerven, Nervenwurzeln und/oder Spinalganglien, die vermutlich durch eine fehlgeleitete Immunantwort gegen körpereigene Bestandteile (Autoimmunreaktion) entsteht.
Befund: Am häufigsten ist das akute Guillain-Barré-Syndrom (idiopathische Polyradikulitis), das durch von den Füßen aufsteigende Lähmungen und evtl. Missempfindungen gekennzeichnet ist und sich innerhalb weniger Tage auf den ganzen Körper ausbreiten kann. Eine gefürchtete Komplikation ist die Atemlähmung, es können auch lebensgefährliche Herzrhythmusstörungen auftreten. 2 bis 6 Wochen nach Beginn tritt eine allmähliche Besserung ein, etwa 60 % der Betroffenen werden wieder vollständig gesund. Nur selten tritt ein akutes Guillain-Barré-Syndrom wiederholt auf. Beim chronischen Guillain-Barré-Syndrom (chronisch-entzündliche demyelinisierende Polyneuropathie) entwickelt sich eine über mehrere Monate zunehmende, symmetrisch verteilte Schwäche, oft auch von Empfindungsstörungen und Schmerzen begleitet. Die Prognose der Erkrankung ist meist günstig. Sonderformen des Guillain-Barré-Syndroms können zu Hirnnervenausfällen (z. B. Augenmuskel- oder Gesichtslähmung) oder Störungen des vegetativen Nervensystems führen.
Behandlung: Entzündungshemmende Medikamente (Kortikoide) sind bei der chronischen Form hilfreich, hoch dosierte Immunglobuline können auch beim akuten Guillain-Barré-Syndrom wirksam eingesetzt werden. Manchmal wird das Blutplasma ausgetauscht (Plasmapherese). Das akute Guillain-Barré-Syndrom kann vorübergehend eine künstliche Beatmung oder einen Herzschrittmacher erforderlich machen.
Brockhaus Gesundheit; 30.11.2010, aktualisiert am 04.08.2011
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