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Schwellung am Hals (dicker Hals)

Es gibt harmlose Schwellungen am Hals und solche, die gründlicher Diagnostik bedürfen oder einen Notfall darstellen. Ursachen, Diagnose, Therapie


Eine vergrößerte Schilddrüse heißt Kropf. Die Volkskrankheit macht häufig, aber nicht immer einen dicken Hals

Im Hals sind auf engstem Raum viele lebenswichtige Organe untergebracht. Folgende Veränderungen und Krankheiten können sich hier abspielen:

  • Krankheiten der Nebenschilddrüsen
  • Geschwollene Lymphknoten
  • Abszesse
  • Speicheldrüsenerkrankungen
  • Zysten und Fisteln
  • Tumoren der Weichgewebe und der Haut am Hals
  • Wulstige Narben
  • Halsvenenstauung
  • Hautemphysem
  • „Zenker-Divertikel“ an der oberen Speiseröhre



Alle Punkte im Überblick: Was ist was und wo liegt es jeweils?

Schilddrüse

Die Schilddrüse liegt vorne am Hals, etwa in der Mitte, und ist normalerweise nicht sichtbar. Sie hat die Form eines Schmetterlings und wiegt etwa zwischen 18 Gramm (bei Frauen) und 25 Gramm (bei Männern). Beim Schlucken folgt sie dem Auf und Ab des Adamsapfels. Der Arzt nennt das „schluckverschieblich“. Die Schilddrüse ist Produzentin lebenswichtiger Hormone: Thyroxin (heißt auch Tetrajodthyronin, kurz T4), Trijodthyronin (T3) und Kalzitonin. Erkrankt sie, ist der Internist / Endokrinologe, der Nuklearmediziner, eventuell auch der auf Drüsenoperationen spezialisierte Chirurg (endokrine Chirurgie) zuständig.

Nebenschilddrüsen

Die Nebenschilddrüsen sind weniger bekannt. Sie bilden das Parathormon, einen wichtigen Kalzium-Regler des Körpers. Es gibt vier Nebenschilddrüsen. Sie sind höchstens reiskorngroß und liegen auf beiden Seiten oben und unten an der Rückseite der Schilddrüse. Damit das Kalzium nicht „in den Keller geht“, müssen mindestens zwei der vier Mini-Drüsen voll funktionieren. Ärztliche Fachgebiete für diese Drüsen: siehe Schilddrüse.



Lymphsystem

Lymphknoten

Normalerweise kann man nur in der Leiste ganz vereinzelt winzige Lymphknoten tasten. Am Hals sind sie bei gesunden Menschen weder sicht- noch tastbar. Auf vergrößerte Lymphknoten im Halsbereich – im weitesten Sinn verstanden – kann man zum Beispiel unter dem Kinn, hinter dem Ohr, unter dem Unterkiefer, seitlich am Hals oder über dem Schlüsselbein stoßen. Die maximale, noch normale Größe eines aktivierten Lymphknotens beträgt etwa einen bis eineinhalb Zentimeter. Mehr dazu im Kapitel „geschwollene Lymphknoten“ und im eigenen Beitrag Lymphknoten am Hals. Ansprechpartner sind hier zunächst verschiedene Facharztrichtungen wie Internisten, Kinderärzte, Hals-Nasen-Ohrenärzte.


Abszesse

Zum Glück sind sie am Hals eher selten, aber möglich – und dann ganz klar ein Notfall. Ein Abszess ist eine eitrige, abgekapselte Gewebeeinschmelzung. Symptome: schmerzhafte Schwellung innerlich oder äußerlich, Rötung, Krankheitsgefühl, Fieber, Schüttelfrost. Am Hals gibt es viele mögliche Ausgangspunkte, von vereiterten Mandeln bis zu Halszysten. Weitere Informationen im Kapitel „Abszesse“. Die genannten Probleme fallen in die Fachgebiete Hals-Nasen-Ohren-(HNO)-Heilkunde und Kopf-Hals-Chirurgie.

 



Kopfspeicheldrüsen (hier der Blick auf eine Seite)

Speicheldrüsen

Da es auch eine Bauchspeicheldrüse gibt, spricht man ansonsten von den Kopfspeicheldrüsen. Die paarigen Drüsen vor dem Ohr, unter der Zunge und am Unterkiefer sind die Haupt-Speichelproduzenten, hauptsächlich zu den Mahlzeiten. Daneben gibt es bis zu 300 kleine Speicheldrüsen im Mund, die non stop arbeiten. Beim Thema Halsschwellung geht es vor allem um die Ohr- und Unterkieferspeicheldrüsen. Zuständig: der HNO-Arzt.

 


Zysten und Fisteln

Halszysten sind prall-elastische Gebilde, entweder vorne (unterhalb des Zungenbeins) oder seitlich am Hals. Sie bilden sich aus Geweberesten, die sozusagen bei der Embryonalentwicklung „übrig geblieben“ sind. Sie zeigen sich im Kindes- und Erwachsenenalter. Mit Halszysten und -fisteln sind Kopf-Hals-Chirurgen befasst.

 


Tumoren des Weichgewebes und der Haut

Weich(teil)gewebe umfasst Gewebe, das nicht aus Knochen besteht, wie die Haut und das Binde- und Fettgewebe oder Stützgewebe, etwa Knorpel und Muskulatur. Es gibt am Hals keine typischen Lokalisationen entsprechender Tumoren beziehungsweise Geschwülste. Gutartige Weichgewebe-Tumoren kommen hier häufiger vor als bösartige.
Gutartige Geschwülste der Haut wie Grützbeutel (Atherome) können große „Knubbel“ bilden und finden sich häufiger an der Haargrenze am Kopf, somit auch im Nackenbereich. Sie können vom Nicht-Experten mit Lymphknoten verwechselt werden. Bei bösartigen Geschwülsten können vergrößerte Hals-Lymphknoten fühl- oder sichtbar werden. Angesprochen sind hier der Dermatologe, Krebsspezialist (Onkologe), Chirurg oder Kopf-Hals-Chirurg.


Wulstige Narben

Wo Narben liegen, hängt davon ab, wo am Hals operiert wurde. Übermäßige Bindegewebsbildung kann zu wulstigen Narben oder zu Keloiden führen, was nicht dasselbe ist. Das Problem gehört zunächst in die Hand des Erstoperateurs. Eventuell kann auch ein plastischer Chirurg oder Dermatologe später weiterhelfen.

 


Halsvenenstauung

Wenn sich im Liegen oder bei halb aufgerichteter Körperhaltung prall-elastische, bläulich unter der Haut durchschimmernde Stränge seitlich am Hals zeigen, so entspricht das einer Halsvenenstauung. Sie kann zum Beispiel ein Anzeichen für eine Herzschwäche sein, vor allem eine Schwäche der rechten Herzkammer. Bei einer oberen Einflussstauung (Vena-cava-superior-Syndrom) steht die obere Hohlvene, die Vena cava superior, unter Druck. Dadurch staut sich das venöse Blut im Kopf, im Hals und in den Armen. Dies ist eine sehr akute Situation. Gefragt sind jeweils verschiedene Disziplinen der inneren Medizin, vom Kardiologen bis zum Onkologen, andererseits eventuell auch ein Lungen-(Thorax-), Herz- oder Gefäßchirurg.


Hautemphysem

Darunter versteht man den Austritt von Luft aus der Lunge ins Unterhautgewebe. Ursachen sind innere oder äußere Verletzungen der Lunge, spontane Risse von Lungenbläschen (manchmal liegen dann Lungenerkrankungen zugrunde) oder zu schnelles Aufsteigen beim Tauchen. Die beim Tasten spürbar knisternde, verschiebliche Schwellung unter der Haut (daher lautet die korrekte medizinische Bezeichnung „Subkutanemphysem“) betrifft den Hals, vor allem vorne, und den Nacken. Zuständig ist der Notarzt, der Tauchmediziner oder Lungenfacharzt.



Dicht gedrängt: Herz, Luftröhre, Hauptschlagader, Speiseröhre (dunkelrot)

„Zenker-Divertikel“

Die Aussackung liegt im oberen Bereich der Speiseröhre, am Übergang zum Schlund. Falls das Gebilde sehr groß ist, was nur ganz gelegentlich vorkommt, ist es seitlich hinten am Hals als Schwellung sichtbar. Innerlich entsteht ein Druckgefühl. Die Schwellung nimmt beim Essen zu, nach Herauswürgen der Speisen ab. Hier ist der Internist mit Spezialgebiet Magen-Darm-Heilkunde (Gastroenterologie) zuständig, gegebenenfalls der Chirurg.





Literatur:

A. Viktor, S. Linke, C. Dahlmann: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Urban & Fischer, 2007

A. Sturm, W. Zidek: Differenzialdiagnose Innere Medizin, Thieme 2003

Mark B. Mengel, L. Peter Schwiebert, Family Medicine, McGraw-Hill Lange 2009


 

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.


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www.apotheken-umschau.de; 19.05.2009, aktualisiert am 11.05.2012
Bildnachweis: Illustration: W&B/ J. Neisel, Illustration: W&B/ Jörg Kühn, W&B/Jörg Neisel, PhotoDisc/ RYF, W&B/Kühn, W&B/Arbeitskreis Jodmangel

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